Die Geschichte von John Sex und dem Ring der Liebe

John Sex hatte ein Problem. Sie können sich sicher denken, worin dieses Problem bestand. Johns Nachname weckte bei den Damen in seinem Umfeld gewisse Erwartungen bezüglich seiner Manneskraft. Nun war Sex es jedoch leid, daß die holde Weiblichkeit ihn auf „das Eine“ reduzierte. Denn Liebe hatte Sex bisher noch keine erfahren dürfen. Dabei sehnte er sich doch viel mehr nach einem liebenden Menschen, als nach Sex (auch wenn Emily Sex, seine Frau Mutter, immer noch seine größte Liebe war. Aber das ist eine andere Geschichte). Ja, man kann sogar sagen, daß Sex Sex egal war. Nein, sich selbst war er natürlich nicht egal, aber er wollte einfach nicht mehr… Nun ja, Sie wissen schon.

Eines schönen Tages saß Sex am Frühstückstisch, in seine Zeitung vertieft, als ihm fast das Würstchen aus der Hand fiel, das er soeben zu verspeisen gedachte. In großen Lettern las er unter „Vermischtes“:

Legendärer Ring der Liebe angeblich wieder aufgetaucht!
Doch ein böser Geist soll ihn bewachen

Sex las den Artikel wie hypnotisiert. Wissenschaftler hatten in einem mittelalterlichen Schloß in der Nähe von Cardiff in Wales einen Ring gefunden, der der Legende nach einem unglücklichen Menschen den Wunsch nach wahrer Liebe erfüllen kann. Doch wehe dem, der den Ring mißbraucht, um, statt Liebe zu finden, nur körperliche Gelüste zu befriedigen gedenkt. Dem Manne, der dies wagt, soll ein böser Geist, der über den Ring wacht, jegliche Manneskraft rauben. Doch auch dem Ehrlichen drohe Ungemach, denn der Geist des Ringes soll gern seine Späße mit den armen Liebe Suchenden getrieben haben. So geht das Gerücht um, daß ein Mann, der hoffte, durch den Ring die große Liebe zu finden, sein ganzes Vermögen verspielte. Der Geist hatte wohl den Spruch vom Glück in der Liebe und Pech im Spiel etwas zu wörtlich genommen.

Doch Sex ließ sich davon nicht ins Bockshorn jagen, nein, er frohlockte. Er hatte in seiner Verzweiflung schon lange überlegt, seinem Liebesglück mit Magie auf die Sprünge zu helfen. Dieser Ring war genau das, was er brauchte. Wer, wenn nicht er, war geeigneter, die Kraft des Ringes zu nutzen? Und selbst wenn der Ring versuchen sollte, ihm die Lust am Sex zu rauben, so schreckte ihn das nicht, denn die hatte Sex ohnehin längst verloren. So packte er seine Koffer und machte sich noch am selben Tag auf nach Cardiff. Den Flug nutzte er, um ein nicht gerade geringes Problem zu lösen. Wie sollte er überhaupt an den Ring der Liebe herankommen? Sex war sich natürlich darüber im Klaren, daß die Wissenschaftler ihm den Ring der Liebe nicht einfach so überlassen würden. Also blieb nur ein Einbruch oder eine List. Da er kein Verbrechen begehen wollte, überlegte sich Sex, daß es vielleicht am besten wäre, sich als Wissenschaftler auszugeben, der die Eigenschaften des Rings und seine Wirkung auf Menschen erforschen wolle. Dies erschien ihm als ein guter Plan, und den Rest des Fluges verbrachte er damit, seine Rolle zu üben.

Als Sex in Cardiff landete, war es bereits spät am Abend, es dämmerte, und der Himmel war wolkenverhangen. Es regnete in Strömen. Das Museum, in dem der Ring der Liebe verwahrt wurde, war inzwischen geschlossen. Deswege nahm sich Sex ein billiges Zimmer in der Nähe. Am nächsten Morgen stand er sehr früh auf und begab sich zu dem Museum. Als er dort ankam, meldete er sich sofort bei der Sekräterin von Professor Mills an, dem Leiter der Forschungsgruppe, die den Ring der Liebe untersuchte. Sex war schon ein wenig nervös, als er Professor Mills gegenüber stand, doch er fand sehr schnell die Fassung wieder und ergriff das Wort:

„Guten Tag, Professor Mills. Mein Name ist John Sex… äh Sense, und ich wurde vom psychologischen Institut der Universität Brighton beauftragt, den Ring der Liebe zu untersuchen, um herauszufinden, wie er wirklich auf Menschen wirkt und wodurch die Legende von der magischen Wirkung des Rings zustande gekommen sein könnte. Wir brauchen dafür nur einige Fotos des Rings. Aus seiner Gestaltung und Form können wir mit Hilfe von Experimenten Schlüsse auf seine psychische Wirkung auf Menschen ziehen. Wenn Sie mir also erlauben würden, den Ring der Liebe kurz zu sehen und zu fotografieren, wäre ich Ihnen zu großem Dank verpflichtet, werter Kollege.“

Sex staunte nicht schlecht über sich selbst. Er fand seinen Auftritt recht überzeugend, und auch Professor Mills schien keinerlei Argwohn zu verspüren. Er stimmte Sex Ansinnen sofort zu und führte ihn in den Tresorraum, in dem der Ring der Liebe verwahrt wurde. Da lag er nun vor Sex, der heißbegehrte Ring. Sex war ein wenig enttäuscht, denn es handelte sich um einen schlichten Ring aus Kupfer, ohne Verzierungen und ohne Gravur. Und doch verspürte er eine ungewöhnliche Anziehungskraft, die von dem Ring ausging. Sex schaute Professor Mills fragend an. Dieser lächelte und nahm den Ring der Liebe aus der Schatulle, in der er lag, um ihn Sex zu geben. „ Sie dürfen ihn ruhig in die Hand nehmen“, sagte er.

Sex merkte sofort, daß er am Ziel seiner Träume war. Blitzschnell steckte er sich den Ring an den Finger und rief:

„Ich wünsche mir, endlich die wahre Liebe zu erfahren“

Plötzlich erstrahlte der Ring in einem hellen, bläulichen Licht. Doch was war das? Sex vernahm neben sich ein leises Kichern. Als er sich umdrehte, sah er an der Stelle, an der eben noch Professor Mills gestanden war, ein kleines, hutzeliges Männlein stehen. Die Gestalt sprach zu ihm:

„John, Sense – oder soll ich lieber sagen John Sex – ich habe dich bereits erwartet. Du kannst dir sicher denken, wer ich bin. Ja, ich bin der Geist des Ringes der Liebe. Und wahrlich, du bist der erste Mensch, bei dem ich von Anfang an wußte, daß sein Wunsch nach wahrer Liebe echt ist. Deswegen habe ich auch wirklich vor, dir zu helfen, die wahre Liebe zu finden.“

Sex stand mit offenem Mund da und erwartete, daß der Geist ihn nun verzaubern würde. Doch anstatt magische Formeln zu sprechen, grinste das Männlein nur und drückte Sex ein Blatt Papier in die Hand. Sex sah den Geist fragend an, doch dieser lächelte ihn an und forderte ihn auf: „lies!“

John Sex tat wie ihm geheißen. Doch bereits nach dem ersten Satz schrie er vor Wut auf, zerriß das Blatt, rannte hinaus in den Regen und kehrte nach Hause zurück. Er sollte nie die wahre Liebe finden. Was auf dem Zettel stand, fragen Sie sich? Nun, ganz einfach:

„Antrag auf Änderung des Familiennamens“

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